Das TaxiFilmFest geht online

Wenn die Berlinale sich nicht fürs Taxi interessiert, muss das Taxi sich für Filme interessieren.

21. Januar 2024 von Klaus Meier
 

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Am 22. Januar 2024 lädt die Berlinale zur großen Programm-Pressekonferenz. Eine Anfrage an die Leitung des großen Berliner Filmfestivals aus dem Monat März 2023 mit der Bitte um einen Gesprächstermin blieb unbeantwortet. Im November stellte sich heraus, dass der Uber-Konzern, Feind von Normalarbeitsverhältnissen und Organisator von Lohndumping, erneut als Hauptsponsor der Berlinale engagiert wurde.

So bleibt den Berliner Taxifahrerinnen und Taxifahrern nur, ein eigenes Filmfestival auf die Beine zu stellen, das TaxiFilmFest. Weil sonst niemand auf die Idee gekommen ist, wie dem Uber-Konzern und seinem Berlinale-Auftritt etwas entgegengesetzt werden kann, bleibt das an mir hängen. Ich kann sowas. Als technischer Leiter, Programmierer und Organisator beim VideoFest und der ersten Transmediale habe ich mich erfolgreich geschlagen, und mit winzigen Budgets und viel Improvisation das Podewil bespielt.

Jetzt veranstalte ich also ein TaxiFilmFest, eine politische Kundgebung zugunsten der unterbezahlten Kolleginnen und Kollegen, zugleich ein echtes No-Budget-FilmFest, wie es heute dank Internet und digitaler Aufzeichnung möglich ist.

Eins hat sich seit analogen Zeiten nicht geändert : Alles ist möglich durch K.I.S.S. - keep it simple, stupid . Wir lassen alles weg, was Arbeit macht und Geld kostet. GEMA und Verleihgebühren sparen wir, weil wir Filme nie vor großem Publikum zeigen, sondern Freunde in unser "Wohnzimmer" einladen.

Das ist in unserem Fall ein Taxi. In dieses Wohnzimmer passen neben dem Gastgeber höchstens acht Freunde als Zuschauer und Diskutanten. Da es im Berlinale-Februar kalt ist, nutzen wir Videokonferenzen für Diskussionen. Wir laden andere Gruppen ein, sich die gleichen Filme wie wir anzusehen, jeder im Wohnzimmer bei Freunden, und danach per Videokonferenz über das Erlebte und Gesehene zu diskutieren. So erreichen wir mehr als acht Figuren und können dennoch privat bleiben. Keine Rechteklärung, keine Verleihgebühren, keine extra Zahlungen an die GEMA. Das alles ist für Privatnutzung bereits abgegolten oder wird von einer Ausnahmeregelung im deutschen Urheberrecht abgedeckt.

Es bleibt genug zu organisieren und zu erklären, einfach weil so etwas noch niemand gemacht hat. Vielleicht müssen wir in einem Jahr doch ein Festival mit großen Saal organisieren, weil die Welt auch nach Corona noch nicht ausreichend vertraut mit verteilten online-Events ist.

Es bleibt spannend. Jetzt sammeln wir erstmal Vorschläge, welche Filme auf ein TaxiFilmFest gehören.

Willkommen beim TaxiFIlmFest,
willkommen in Neuland !

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